Sagen & Geschichten
Alte Sagen aus dem Tal, lustige Begebenheiten, Wahres und Unwahres — was die Muntafuner zu erzählen haben.
📝 Mitmachen und schreibenBauer und Berggeist
Ein alter Bauer aus Vandans traf einst beim Holzhacken einen Berggeist...
Das Sennentuntschi — die Strohpuppe der einsamen Hirten
Eine dunkle Sage aus dem ganzen Alpenraum — auch im Montafon erzählt
Hoch oben auf den Almen, fernab von Dorf und Mensch, lebten den Sommer über die Sennen. Wochenlang sahen sie keine Menschenseele. Die Einsamkeit fraß an ihnen, und der lange Abend in der niedrigen Hütte zog sich zäh wie kalter Brei.
Einmal saßen drei Sennen im Hochsommer auf einer entlegenen Alp und wussten vor Langeweile nichts mit sich anzufangen. Da kam einem von ihnen ein Einfall: Aus Stroh und alten Kleidern bastelten sie eine Puppe in Frauengestalt — das Sennentuntschi. Sie setzten es an den Tisch, redeten mit ihm und trieben allerlei groben Spott.
Doch am dritten Abend, als sie heimkamen, saß die Puppe nicht mehr leblos am Tisch. Sie atmete. Sie schaute. Die Sennen erschraken zu Tode — was hatten sie da geweckt? Sie versuchten, das Tuntschi zu verbrennen, in die Schlucht zu werfen, in tausend Fetzen zu reißen. Doch am nächsten Morgen saß es wieder am Tisch, und sein Blick wurde von Mal zu Mal kälter.
Schließlich versuchten die Sennen, in der Nacht heimlich ins Tal zu fliehen. Als sie sich aus sicherer Entfernung noch einmal nach der Hütte umdrehten, sahen sie das Tuntschi auf dem Dach stehen — und in seinen Händen hielt es die abgezogene Haut des Sennen, der die Idee gehabt hatte. Es nagelte sie zum Trocknen auf den Hüttengiebel.
So lehrt die Sage: Aus Übermut sollst du nichts ins Leben rufen, was du nicht wieder loswirst.
📚 Quelle & Lizenz:
Sagenstoff aus dem gesamten deutschsprachigen Alpenraum (Schweiz, Vorarlberg, Tirol, Liechtenstein). Klassische Sammlung: Franz Josef Vonbun, „Die Sagen Vorarlbergs", Innsbruck 1858 — gemeinfrei. Vgl. auch Wikipedia: Sennentuntschi.
Diese Fassung: Nacherzählung in moderner Sprache.
Das verschwundene Goldlamm
Vor langer Zeit lebte in Gaschurn ein Hirte, der ein goldenes Lamm besaß. Eines Tages...
Der Geist vom Sennigrat
Eines stürmischen Winters, als der Wind über das Sennigrat heulte, sah ein junger Bauer eine Gestalt im Schnee. Sie winkte ihm zu...
Niemand hat sie je wieder gesehen.
Die drei Schwestern von Frastanz
Eine Sage aus dem Walgau — wie aus drei Mädchen drei Berge wurden
Hoch über Frastanz erheben sich drei mächtige Felsgipfel, die das Volk seit jeher „Die drei Schwestern" nennt. Wie sie zu ihrem Namen kamen, erzählen die Alten so:
In Frastanz lebten einst drei junge Schwestern, die nichts so sehr liebten wie Putz, Tand und schöne Kleider. Auch an einem hohen Feiertag konnten sie nicht still daheim sitzen, sondern stiegen mit ihren Körbchen den Berg hinauf, um Beeren zu pflücken. Die wollten sie verkaufen und sich vom Erlös schmücken.
Auf dem Berg trafen sie einen fremden Mann — einen jener geheimnisvollen Venediger, von denen man sagt, sie kämen aus der Lagunenstadt, um in den Vorarlberger Bergen verborgenes Gold zu suchen. In seinem kleinen Krug sammelte er gerade tropfenweise Gold aus einer geheimen Quelle.
Streng blickte er die drei an: „Wisst ihr nicht, dass heute Feiertag ist? Ihr habt das Gebot des Herrn gebrochen — und das obendrein aus Eitelkeit!" Er sprach einen schweren Spruch über sie. Im selben Augenblick erstarrten die drei Schwestern zu nacktem Stein, hoch oben am Grat, einer neben dem anderen — wie sie heute noch stehen.
Die Goldquelle aber versiegte, und seither hat sie kein Mensch mehr gefunden. Wenn man von Frastanz hinaufschaut, mahnen die drei steinernen Schwestern jeden, der vorbeigeht: „Vergiss nicht, was wichtig ist."
📚 Quelle & Lizenz:
Überliefert in: Franz Josef Vonbun, „Die Sagen Vorarlbergs nach schriftlichen und mündlichen Überlieferungen", Innsbruck 1858 — gemeinfrei (Autor † 1870).
Originaltext digital: Internet Archive · Projekt Gutenberg DE.
Diese Fassung: Nacherzählung in moderner Sprache.
Die Fenken — wilde Waldleute im Montafon und Klostertal
Eine Sage aus den Wäldern Vorarlbergs
Vor langer Zeit lebten in den dichten Bergwäldern des Montafons und des Klostertals die Fenken — riesige, am ganzen Körper dicht behaarte Gestalten, halb Mensch, halb wildes Tier. Sie hausten in Höhlen und unter umgestürzten Bäumen, mieden die Menschen und wachten über die alten Bäume des Hochwalds.
Einst wollte ein Holzhauer in einem entlegenen Tal eine uralte Tanne fällen. Schon hob er die Axt, da trat ein gewaltiger Fenk aus dem Dickicht und sah ihn nur stumm an. Der Holzhauer ließ die Axt sinken und ging ohne Wort nach Hause. Die Tanne, so heißt es, steht noch heute.
Eine Fenkin aber, weiblicher und neugieriger Art, plagte einmal einen Holzknecht namens Hannes mit endlosem Geplauder, während dieser einen Stamm zu spalten versuchte. Ärgerlich trieb er den Keil in den Spalt, und als sie unbedacht ihre Hand hineinlegte, schlug er ihn heraus. Der Spalt klemmte ihre Finger fest. Erst nach langem Bitten ließ er sie wieder frei — doch die Fenken zeigten sich danach nie mehr dem Hannes.
Mit der Zeit wurden die Wälder lichter, die Menschen drangen weiter in die Berge vor. Da zogen sich die Fenken zurück, immer höher, immer tiefer in die Felsen — bis man sie eines Tages gar nicht mehr sah. Die Alten aber sagen: An einsamen Stellen, wenn der Nebel über den Wipfeln liegt, hört man manchmal noch ihr leises Rufen.
📚 Quelle & Lizenz:
Überliefert in: Franz Josef Vonbun, „Die Sagen Vorarlbergs nach schriftlichen und mündlichen Überlieferungen", Innsbruck 1858 — gemeinfrei (Autor † 1870).
Originaltext digital: Internet Archive · Projekt Gutenberg DE.
Diese Fassung: Nacherzählung in moderner Sprache.
Die Hexe vom Itonskopf
Auf dem Itonskopf bei Schruns soll eine alte Hexe gehaust haben. Wer hinaufstieg, kehrte nie zurück.
Die Teufelsbrücke im Montafon
Eine alte Sage aus dem Montafon
Im Montafon stand einmal ein wichtiger Steg über die Ill, der bei einem Unwetter weggerissen worden war. Die Leute baten den Zimmermann des Dorfes, eine neue Brücke zu errichten. Doch der schüttelte den Kopf: „In drei Tagen eine Brücke über die wilde Ill? Das mag der Teufel zustande bringen — ich nicht."
Kaum hatte er die Worte ausgesprochen, stand ein fremder Mann neben ihm — schwarz gekleidet, mit funkelnden Augen. „Ich baue dir die Brücke in drei Tagen", sprach er. „Aber als Lohn will ich die erste Seele haben, die hinüber geht."
Der Zimmermann erschrak, doch nach langem Hin und Her schlug er ein. In der dritten Nacht stand die Brücke fertig da, Stein auf Stein, fest und schön wie keine andere im Tal. Der Teufel wartete am gegenüberliegenden Ufer auf seine Seele.
Der Zimmermann aber war ein schlauer Mann. Er hatte eine alte Ziege mitgebracht, gab ihr einen kräftigen Stoß und trieb sie als erstes Wesen über die neue Brücke. „Da hast du die erste Seele aus meinem Haus!", rief er hinüber.
Der Teufel brüllte vor Zorn, sprang nach dem Tier, erwischte aber nur den Schwanz. Mit einem Riss blieb ihm das Schwänzchen in der Hand — und die Ziege rannte davon. Seither, so erzählt man, haben alle Ziegen so kurze Schwänze. Die Brücke aber stand noch viele Menschenalter, fest und unverwüstlich.
📚 Quelle & Lizenz:
Überliefert in: Franz Josef Vonbun, „Die Sagen Vorarlbergs nach schriftlichen und mündlichen Überlieferungen", Innsbruck 1858 — gemeinfrei (Autor † 1870).
Originaltext digital: Internet Archive · Projekt Gutenberg DE.
Diese Fassung: Nacherzählung in moderner Sprache.
Die Windsbraut auf der Schröcker Alm
Eine Sage aus dem Bregenzerwald, auch im Montafon (Zamangalpe) erzählt
Es war Erntezeit auf der Schröcker Alm. Bauern und Knechte waren oben, um das Heu einzubringen, und die Sonne brannte heiß über dem Tal. Da, plötzlich, kam von weit her ein kalter Wirbelwind heraufgefahren. Er packte einen ganzen Stoß Heu und trug ihn hoch in die Luft, davon, über Grat und Schlucht hinweg.
Ein junger Bursche, mehr aus Mut als aus Verstand, zog sein scharfes Weidmesser und schleuderte es dem Wirbel hinterher. Das Messer verschwand mit dem Heu und kam nicht wieder.
Ein Jahr verging. Der Bursche zog im Sommer mit Vieh und Knechten in die Schweiz hinunter, um auf einer fremden Alp zu helfen. In einer Wirtsstube saß er abends bei einem Krug Most, da bemerkte er an der Wand ein Messer, das ihm bekannt vorkam. Er sprang auf — es war sein eigenes! Da trat der Wirt zu ihm, blass im Gesicht.
„Junger Mann", sagte der Wirt, „dieses Messer hat letztes Jahr meine Tochter erschlagen. Sie kam aus der Stube, plötzlich fiel ein Messer wie aus heiterem Himmel auf sie herab. Ich habe es nie wegwerfen können, ich wusste, eines Tages kommt der, dem es gehört."
Da erkannte der Bursche, was er getan hatte. Im Wirbelwind war keine Windsbraut allein gefahren — sondern ein Geist, dem er mit seinem Übermut den Tod eines Menschen gegeben hatte. Er trug das Wissen schwer sein Leben lang.
📚 Quelle & Lizenz:
Überliefert in: Franz Josef Vonbun, „Die Sagen Vorarlbergs nach schriftlichen und mündlichen Überlieferungen", Innsbruck 1858 — gemeinfrei (Autor † 1870). Eine sehr ähnliche Fassung wird auch zur Zamangalpe im Montafon erzählt.
Originaltext digital: Internet Archive · Projekt Gutenberg DE.
Diese Fassung: Nacherzählung in moderner Sprache.