Eine Sage aus dem Walgau — wie aus drei Mädchen drei Berge wurden
Hoch über Frastanz erheben sich drei mächtige Felsgipfel, die das Volk seit jeher „Die drei Schwestern" nennt. Wie sie zu ihrem Namen kamen, erzählen die Alten so:
In Frastanz lebten einst drei junge Schwestern, die nichts so sehr liebten wie Putz, Tand und schöne Kleider. Auch an einem hohen Feiertag konnten sie nicht still daheim sitzen, sondern stiegen mit ihren Körbchen den Berg hinauf, um Beeren zu pflücken. Die wollten sie verkaufen und sich vom Erlös schmücken.
Auf dem Berg trafen sie einen fremden Mann — einen jener geheimnisvollen Venediger, von denen man sagt, sie kämen aus der Lagunenstadt, um in den Vorarlberger Bergen verborgenes Gold zu suchen. In seinem kleinen Krug sammelte er gerade tropfenweise Gold aus einer geheimen Quelle.
Streng blickte er die drei an: „Wisst ihr nicht, dass heute Feiertag ist? Ihr habt das Gebot des Herrn gebrochen — und das obendrein aus Eitelkeit!" Er sprach einen schweren Spruch über sie. Im selben Augenblick erstarrten die drei Schwestern zu nacktem Stein, hoch oben am Grat, einer neben dem anderen — wie sie heute noch stehen.
Die Goldquelle aber versiegte, und seither hat sie kein Mensch mehr gefunden. Wenn man von Frastanz hinaufschaut, mahnen die drei steinernen Schwestern jeden, der vorbeigeht: „Vergiss nicht, was wichtig ist."
📚 Quelle & Lizenz:
Überliefert in: Franz Josef Vonbun, „Die Sagen Vorarlbergs nach schriftlichen und mündlichen Überlieferungen", Innsbruck 1858 — gemeinfrei (Autor † 1870).
Originaltext digital: Internet Archive · Projekt Gutenberg DE.
Diese Fassung: Nacherzählung in moderner Sprache.